Wie bilden wir Antikörper gegen sexistische Gewalt?

Shownotes

Asha Hedayati arbeitet als Rechtsanwältin im Familienrecht und vertritt unter anderem Betroffene von geschlechtsspezifischer Gewalt. In ihrem 2023 erschienenen Buch Die stille Gewalt. Wie der Staat Frauen allein lässt, beschäftigt sie sich mit den gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen, die Gewalt gegen Frauen begünstigen und zeigt auf, an welchen Stellen Schutzmechanismen versagen. Im Gespräch geht es um Selbstbestimmung und § 218, um strukturelle und geschlechtsspezifische Gewalt und darum, warum nicht alle Menschen ihr gleichermaßen ausgesetzt sind. Sibel und Asha sprechen darüber, was unterschiedliche Rechte und Abhängigkeiten mit romantischen Beziehungen machen können, wie Justiz mit den Körpern von Gewaltbetroffenen umgeht und welchen Schutz Kinder erfahren, wenn sie Gewalt zwischen ihren Eltern miterleben. Und sie richten den Blick nach vorn: Was müsste sich politisch und gesellschaftlich verändern, damit Prävention und Schutz tatsächlich funktionieren? Was bedeutet ein Staat, der sich kümmert, statt zu kontrollieren? Und vor allem: Wie bilden wir gemeinsam wirksame Antikörper gegen diese Zustände?

antiKÖRPER ist der Podcast von Sibel Schick in Kooperation mit dem Gunda-Werner-Institut. Im Mittelpunkt stehen Körper und Politik sowie die Frage, welche gesellschaftlichen Machtverhältnisse sich in unseren Körpern einschreiben und wie wir ihnen etwas entgegensetzen können.

Credits Redaktion & Moderation: Sibel Schick Produktion: Laura Vorsatz Musik: Arne Bense In Kooperation mit dem Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung Ansprechperson im Gunda-Werner-Institut: Amina Nolte Nolte@Boell.de

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Transkript anzeigen

00:00:15: Antikörper, der Podcast von Sibel Schick in Kooperation mit dem Gunda Werner-Institut.

00:00:21: Herzlich willkommen zu Antikörper, den Podcast über Körper und Politik!

00:00:26: Mein Name ist SibelSchick.

00:00:27: In unserer allerersten Folge freue ich mich riesig auf unsere Gäste in Ascha Hedayati.

00:00:32: Ascha lebt in Berlin, ist Rechtsanwältin und Buchautorin.

00:00:36: Ihr bucht die Stillegewalt über die Strukturen, Bis heute hat sie damit Lesungen im deutschsprachigen Raum, um über juristische Lücken und die Folge für Betroffene aufzuklären.

00:00:52: Liebe Ascha!

00:00:53: Herzlich willkommen!

00:00:55: Viele kennen dich schon aber möchtest du dich trotzdem kurz selbst vorstellen, damit wir nichts vergessen?

00:01:00: Hallo liebe Sibel vielen Dank für die Einladung.

00:01:03: ich freue mich total dass wir heute miteinander sprechen.

00:01:06: ja ich glaube du hast eigentlich schon fast alles gesagt.

00:01:11: Ich bin Anwältin, ich vertrete schwerpunktmäßig Betroffene von geschlechtsspezifischer Gewalt und ihre Kinder.

00:01:19: Und unterrichte an der Hochschule Studierende der sozialen Arbeit im Bereich des Familienrechts und des Kinder- und Jugendhilferechts genau.

00:01:35: Im Referendariat, also in der Ausbildung auch zur Anwältin irgendwie in diesen Bereich so rein gerutscht habe ehrenamtlich gearbeitet.

00:01:45: In Frauenberatungsstellen bzw.

00:01:47: auch Beratungsstellen für geflüchtete Personen, für Personen mit aufenthaltsrechtlichen Problematiken und hab einfach gemerkt dass es der Bereich ist indem sehr vieles zusammenkommt gesellschaftlichen Missständen.

00:02:06: Und ich finde, das übersehen wir sehr häufig wie vieles da auch miteinander zusammenhängt.

00:02:14: Auch wenn wir uns das intersektional anschauen hängt er sehr viel zusammen und dass hat mich ja einerseits natürlich schockiert andererseits auch nochmal mehr motiviert in dem Bereich auch beruflich aktiv zu sein.

00:02:29: Ja jetzt tatsächlich mehr in der Lehre und in der Ausbildung als direkt in der anwaltlichen Tätigkeit, aber wirklich sehr lange auch als Anwälter und Hauptberuflich.

00:02:40: Vertrifft ihr eigentlich auch Männer?

00:02:43: Es gibt Männer die ich vertrete... Das sind aber alle... In der Regel Männer in ähm ja, queere Männer in Konstellationen, in denen ich sie gegen männliche Ex-Partner vertrete.

00:03:00: das kommt dann auch Vor, es ist aber deutlich seltener.

00:03:05: Das liegt vermutlich auch einfach daran, dass sich eher Frauen an mich wenden.

00:03:11: oder flinter muss ich auch dazu sagen.

00:03:17: Möchtest du uns ein bisschen davon erzählen welche konkreten Problemfelder du da beobachtest in deiner täglichen Arbeit?

00:03:27: Ja, ich glaube wir können im Bereich der geschlechtsspezifischen Gewalt nicht nur auf den einzelnen Fall schauen.

00:03:36: Das ist sowieso meiner Ansicht nach viel zu lange das ganz große Problem auch gewesen, weswegen wir so wenig präventiv auch angesetzt haben.

00:03:48: Weil nämlich diese Fälle von häuslicher oder geschlechtsspezifischer Gewalt sehr ins private verortet wurden.

00:03:58: sehr individualisiert wurden.

00:04:01: Und dabei übersehen wir auch immer noch meiner Ansicht nach oder haben wir sehr lange zumindest übersehen, dass es natürlich eine strukturelle Ebene gibt die diese Gewalt nicht nur nicht verhindert sondern sogar auch begünstigt und da wiederum spielen dann eben verschiedene Faktoren rein.

00:04:20: das heißt beispielsweise die wirtschaftlichen Verhältnisse Ja, die spielen ja eine wahnsinnig große Rolle auch in diesen Partnerschaften.

00:04:29: Das heißt ganz konkret wirtschaftliche Abhängigkeitsverhältnisse.

00:04:32: Genau.

00:04:33: Das heisst wenn ne Mandantin vor mir sitzt und wir schauen uns an wie sind ihre wirtschaftlichen Verhältnisse, wenn sie sich trennt?

00:04:44: Wie kann Sie sich überhaupt alleine finanzieren nach der Trennung?

00:04:49: Sich und Ihre gemeinsamen Kinder vor allem auf!

00:04:53: wie kann sie in diesen Verhältnissen, in denen wir zurzeit gerade auch in den Großstädten leben.

00:04:59: Wie kann sich jetzt überhaupt noch bezahlbaren Wohnraum finanzieren?

00:05:04: Das heißt es gibt wahnsinnig viele Beziehungen gerade in Berlin und die sind nicht alle toxisch und alle gewaltvoll aber sehr viel müssen zwangsläufig zusammen wohnen bleiben weil nicht leisten können auszuziehen, weil sie kein bezahlbaren Wohnraum mehr finden.

00:05:28: Weil Sie wissen das wenn Sie sich trennen räumlich dass Sie dann von Sozialleistungen beispielsweise abhängig sein werden und dann haben wir wieder andere Probleme mit Wenn Sie von Sozielleistung abhängigs sind dann zahlt es Jobcenter beispielsweise bestimmte Wohnungen nicht mehr.

00:05:45: Dann müssen Sie vielleicht bestimmte Jobs annehmen die Sie sich aber gar nicht mit Ihren Kindern erlauben können, die sie gar nicht einrichten können.

00:05:54: Also es ist wirklich ein Rattenschwanz der überhaupt nicht gesehen wird und das hat jetzt als einen Faktor mit den wirtschaftlichen Verhältnissen zu tun.

00:06:03: Genau!

00:06:04: Und wenn du über diese konkrete Problemfelder sprechen ... Beispielsweise die Mietkrise, die Union ist ihr gegen Mietpreiskontrollen und gerade erleben wir ja auch einen ziemlichen Angriff auf den Sozialstaat.

00:06:19: Die Bezugsdauer von Elterngeld wird gekürzt für Alleinerziehende Und wir sprechen von einer Grundsicherung, die aber eigentlich nicht wirklich Grundsicherung ist in meinen Augen.

00:06:29: Sondern eigentlich fast schon wirtschaftliche Schikane und Menschen werden mit dem Verlust des Wohnraums konfrontiert.

00:06:38: Ich habe eine Wohnungssuche hinter mir.

00:06:41: Ich konnte durch gewisse Privilegien einen Wohnraum finden.

00:06:45: Aber bei jeder Bewerbung musste ich eingeben wer meine Miete bezahlt – ich selbst oder das Amt!

00:06:53: verboten sein soll, Menschen in der Grundsicherung zu diskriminieren ihnen eine Wohnung zu verwehren.

00:06:59: Sie können das einfach verschweigen.

00:07:01: diese Begründung und die kommen damit durch.

00:07:04: Und das heißt es ist sowieso schon super schwierig eine Wohnung finden.

00:07:08: Es wird jetzt dadurch, dass Mieterinnen mit der Gefahr konfrontiert sind, dass die Mietzahlungen nicht vorzusetzen viel leichter werden eben noch weniger Lust haben werden Menschen in Grundsicherung oder insgesamt Einkommensarmen, Menschen als MieterInnen zu akzeptieren.

00:07:27: Das heißt wir haben da einfach tatsächlich strukturelle Probleme.

00:07:31: und wenn wir uns dann zum Beispiel mit Elterngeld beschäftigen im Jahr Knappenviertel Alameda, deren jüngstes Kind unter sechs Jahren ist in Elternzeit.

00:07:44: Also da geht es ja eben auch um die Zeit und Wessenzeit was zählt und wie viel diese Zeit wert ist.

00:07:52: Dieser Anteil unter den Fehltern lag bei ... also das ist ein großer Unterschied, um sich um den Nachwuchs zu kümmern nehmen Männer viel seltener frei von der Arbeit.

00:08:06: Das hat verschiedene Gründe, man könnte sagen, von Feetern wird es gesellschaftlich eher weniger erwartet.

00:08:11: Sie fühlen sich dementsprechend als Folge auch weniger verantwortlich.

00:08:15: aber das kann auch daran liegen dass Menschen in der Elternzeit nicht unbedingt bezahlt werden und da Männer in Durchschnitt höhere Gehälter bekommen als Frauen dann halt gehen wegen reinwirtschaftlicher Überlegungen eher Frauen in Elternzeit als Männer und kurzfristig bringt das für die gesamte Familie zwar mehr Geld, aber langfristig schadet es der Frau und das macht sie abhängig.

00:08:38: Wir wissen das alles!

00:08:39: Und unter diesen Bedingungen wirken diese Kürzungen im Familienbereich.

00:08:42: besonders zynisch finde ich – wie betrachtest du das?

00:08:46: Welche Folgen werden die Kürzung im Sozialbereich deiner Meinung nach

00:08:49: haben?".

00:08:51: Also ich find' es auf so vielen verschiedenen Ebenen auch so fatal.

00:08:56: wenn Du jetzt gerade die Elternzeit ansprichst gibt es noch mal eine andere Ebene, die ich super erwähnenswert finde.

00:09:03: Wenn wir jetzt beispielsweise nochmal zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt kommen, gibt es ganz interessante Studien aus Graz wenn ich mich nicht täusche dazu dass in Familien in denen der Vater helftig und zwar von Anfang an die Fürsorgearbeit übernommen hat In denen gibt es einen signifikanten Unterschied zu der Gefahr von häuslicher Gewalt.

00:09:34: Also in diesen Familien gibt es deutlich weniger häusliche Gewalt, nun ist das etwas was wahrscheinlich keine Überraschung auslöst.

00:09:44: aber wir haben dazu ja Zahlen jetzt.

00:09:46: also es heißt dass nicht nur eine Idee die wir haben das Kehrarbeit auch gegen häusische Gewalt schützt sondern wir haben wirklich Zahlen dazu.

00:09:54: und deswegen ärgert es mich einfach immer so, wenn politische Entscheidungsträger in jedes Jahr so überrascht

00:10:01: tun.

00:10:02: Wenn's um den Anstieg von geschlechtsspezifischer Gewalt geht aber gleichzeitig solche Entscheidungen treffen wo man jetzt auch wirklich sagen kann das wird eventuell oder wird sehr wahrscheinlich dazu führen dass immer weniger Männer auch wieder Elternzeit machen und das wiederum hat zur Folge Das ist jetzt nicht direkt, aber es ist ein Teil der Problematik wenn zum Geschlechtsspezifische oder dem Anstieg von geschlechtspezifischer Gewalt geht.

00:10:30: Und dann können wir auch noch mal weitergehen und sagen was sehen denn eigentlich da die Kinder?

00:10:35: Auch für Rollmodels also auch das ist ja so da sieht ja Wenn wir's jetzt sehr wie näher öffnen Ja der Sohn sieht ja dann auch immer eine Mutter, die sehr liebend ist.

00:10:47: Die Harmonie herrscht, der sehr fürsorglich ist und ein Vater, der entweder abwesend ist, nie da es keine Verantwortung übernimmt.

00:10:56: Und im schlimmsten Fall vielleicht auch aggressiv von einem langen Arbeitssag nach Hause kommt und die Wut und Gewalt an der Mutter auslässt?

00:11:04: Also das sind ... Die Geschlechterrollen, die damit natürlich auch weiter zementiert werden mit solchen Entscheidungen.

00:11:13: Und dann wissen wir auch also dass natürlich Armut auch ein Risikofaktor ist für mehr Gewalt und das ist auch nachvollziehbar weil Menschen, die existenzielle Nöte haben, die existenziell bedroht sind auch, die haben natürlich nochmal eine deutlich höhere Herausforderung Gefühle zu regulieren, bestimmte Belastungssituationen durchzuhalten.

00:11:39: Ich will damit niemanden in Schutz nehmen!

00:11:41: Ich will aber trotzdem deutlich machen dass es natürlich schwerer ist ein Leben gewaltfrei zu leben wenn man permanent existenziell bedroht is

00:11:51: Vor allem wenn wir auch Armut als strukturelle Gewalt betrachten.

00:11:56: Das heißt, das kann natürlich auch eine gewaltige Reaktion auf die selbst erlebte Gewalt sein – auf den permanenten Stress, den man dann erlebt?

00:12:06: Genau das!

00:12:09: Du hast jetzt auch den Punkt mit den Kindern angesprochen und das finde ich super wichtig.

00:12:14: Daher möchte ich fragen, wie da die rechtliche Situation ist von Kindern, deren Eltern sich wegen Gewalt trennen?

00:12:22: Wie wird das Miterleben von Gewalt rechtlich bewertet?

00:12:27: Und auf welche Schutzmechanismen können wir uns als Gesellschaft überhaupt verlassen wenn es um das Wohlbefinden bzw.

00:12:35: um Kindeswohl geht?

00:12:37: Ja, das sprichst du... Ein Herzensthema von mir an, das ist ein Thema was ich in der Praxis sehr häufig erlebt habe.

00:12:46: Was mich wirklich auch viel Kraft und Nerven und auch emotionale Energie gekostet hat die letzten Jahre.

00:12:53: Das

00:12:53: kann ich mir vorstellen.

00:12:55: ja!

00:12:55: Wenn Paare sich trennen in Deutschland dann verbleibt das Sorgerecht in der Regel bei beiden Eltern teilen.

00:13:06: Sie trennen sich und in der Regel haben beide Elternteile behalten das sorggerecht, können Verantwortung übernehmen, können weiterhin die Kinder sehen.

00:13:15: Wenn Paare sich trennen und ein Elterenteil in der Regel ist es von den Zahlen her – die Mutter, die Gewalt erfahren hat -, dann ist es so dass vom Jugendamt erst mal erwartet wird dass sie ihr Kind schützt.

00:13:31: Also wenn das Jugendamt erfährt, da gab es Gewalt in der Familie oder da gibt es Gewalte in einer Familie dann heißt es sehr häufig du musst dich jetzt trennen weil du musst das Kind vor dem Vater schützen vor dem gewalttätigen anderen Elternteil schützen.

00:13:44: Das Kind darf die Gewalt nicht weiter miterleben weil es ist eine Kindeswirkfernung und das ist auch erstmal richtig.

00:13:50: Nur ist es so, dass diese Mutter mit dem Kind flieht vielleicht an ein Frauenhaus flüchtet?

00:13:57: Bekommt sie ein paar Wochen später einen Schreiben vom Familiengericht?

00:14:02: Der Vater hat Antrag auf Umgang gestellt, das heißt der Vater möchte jetzt das Kind sehen und weiterhin besuchen.

00:14:11: Und dann heißt es plötzlich wenn die Mutter sich ängstlich und besorgt zeigt und sagt ich weiß nicht, ich habe Angst auf ihn zu treffen.

00:14:21: Ich hab Angst vor den Umgangsübergaben, ich hab Angst dass er sich über das Kind an mir recht also dem Kind was antut.

00:14:29: dann wird die Mutter in den allermeisten Fällen meiner Erfahrung nach nicht ernst genommen.

00:14:36: Diese Vorwürfe werden ihr sogar als Manipulation teilweise vorgeworfen, ihr wird gesagt sie instrumentalisiere das Kind und im allerschlimmsten Fall wird ihr sogar gesagt sie ist nicht bindungstolerant.

00:14:49: es heißt die kann die Beziehung zum anderen Elternteil nicht fördern und pflegen Und daher ist sie nicht erziehungsfähig und im worst case kann sie sogar das Kind verlieren.

00:14:59: und das sorgerecht wird das Kind verliehen und dann wird das umplatziert zum gewalttätigen ex.

00:15:05: Das ist die derzeitige, familiengerichtliche Realität.

00:15:10: Die ist wirklich schwer zu verstehen und schwer auszuhalten gerade meiner Erfang nach auch für Menschen, denen nicht im juristischen Betrieb sind weil es für mich dann irgendwann fast ein bisschen zu so einer schrecklichen Normalität geworden ist dass ich irgendwie gucken musste wie kriege ich das hin?

00:15:26: Dass sie nicht zu viel Schreckliches Vorträg, damit ihr nicht vorgeworfen werden kann zu doll gegen den Vater zu sein.

00:15:38: Das heißt ein Teil der Wahrheit wird dadurch dann verschwiegen?

00:15:41: Also es gibt Fälle in denen man sagen muss eventuell ist das für dich nachteilig wenn du jetzt weiterhin darauf bestehst oder Gewalt vorträgst, am besten wäre es wenn wir uns hier einigen weil es droht dir vielleicht der Sorgerechtsentzug oder dass das Kind wegkommt und das müssen wir unbedingt vermeiden.

00:16:06: Warum ist das so Asche?

00:16:08: Ja das kann ich und möchte gar nicht unbedingt juristisch allein beantworten.

00:16:13: diese Frage,

00:16:14: weil...

00:16:16: Ich glaube wir können uns nicht auf irgendwelche rechtsdogmatischen Theorien zurück... Verstecken oder zurückziehen, wie so viele Juristinnen das tun die dann irgendwie sagen.

00:16:27: Ja aber steht ja auch im Gesetz, dass in dem Paragrafen sechs und sechsundzwanzig, dass es für das Kindeswohl dienlich ist wenn es zu beiden Elternteilen Kontakt hat.

00:16:37: Das steht wirklich so im Gesetz drin da steht aber auch in der Regel.

00:16:43: Ist das kindeswohl dienlicht?

00:16:44: Das heißt man kann es auch anders auslegen!

00:16:46: Man kann auch sagen was ist denn der

00:16:48: Regelfall?!

00:16:49: Der Regelfallen ist eine friedliche harmonische Trennung, keine in der es danach noch zu Nachtrennungsgewalt kommt zur Bedrohung kommt oder wie auch immer.

00:16:58: Ich glaube wenn du mich fragst hat das sehr stark mit dem heteronormativen Bild der Kleinfamilie auch zu tun damit dass es gesellschaftlich einfach immer noch das Ideal ist das Kind was Mama und Papa Und zu beiden Elternteilen auf jeden Fall immer irgendwie Kontakt hat, immer Beziehung hat.

00:17:23: Weil es würde dem Kind ja schaden wenn das einen Elterenteil aber vor allem eben wie näher also Vater und Mutter vor allem nicht mehr hat wobei ich glaube dass allein auch nicht ausreicht.

00:17:37: Es gibt eine sehr starke Väter-Rechtsbewegungen die in den letzten zehn Jahren sehr erstarkt ist aber perfiderweise auch unter diesem Deckmantel der Progressivität argumentiert, das heißt die sagen wir wollen ja mehr Verantwortung übernehmen.

00:18:00: Wir wollen ja eher uns kümmern und Fürsorge Arbeit leisten ist Interessante es Aber nur die kommen immer dann wenn die Trennung vollzogen wurde.

00:18:12: Das heißt, das sind die Väter, die ich so erlebt habe – also die Ex-Partner meiner Mandantin haben bis zur Trennung überhaupt gar keine Fürsorgearbeit geleistet.

00:18:24: Das Argument kommt erst dann wenn sie es gewagt hat sich zu befreien aus diesen Konstellationen.

00:18:35: und dann wird sie über dieses Argument, ich will ja mehr Fürsorge aber ich will mich ja auch mehr kümmern.

00:18:42: Wird Sie wieder unter Druck gesetzt?

00:18:45: Auch nach der Trennung.

00:18:46: Genau da würde ich noch gerne ganz kurz nachhaken.

00:18:48: es wäre ihr eigentlich nicht verwerflich wenn er sich nach der Enttrennung wirklich um das Kind kümmern würde selbst wenn er das während der Beziehung nicht getan hat.

00:19:00: was hier konkret ist denn das Problem?

00:19:03: Das Kind wird ja in solchen Fällen häufig vorgeschoben, als Grund um Weitermacht und Kontrolle und Einfluss auszuüben.

00:19:13: Das heißt über die Umgangskontakte wird weiter bedroht, wird weiter beleidigt, wird wieder Kontrolle ausgeübt.

00:19:28: gegen die Mutter aufgehetzt, in vielen Konstellationen kommt das Kind dann nach dem Wochenende vom Papa zurück.

00:19:35: Das erlebe ich sehr häufig und fängt an ... Die Mutter zu schlagen, fängt ab, die Mutter zu beleidigen.

00:19:42: Also es ist wirklich ... Das Kind ist in einem Loyalitätskonflikt.

00:19:46: Das ist sehr stark belastet und es geht so weizibel, dass sich Mandantinnen hatte, die gesagt haben, diesen Leidensdruck des Kindes nicht mehr mit ansehen.

00:19:58: Ich akzeptiere, dass das Kind den Lebensmittelpunkt zum Vater wechselt und dort bei ihm lebt, damit es diesem Druck nicht mehr aushalten muss –

00:20:08: damit auch diese Auseinandersetzung quasi endet so, dass er nicht mehr diese Fläche hat, diesen Raum in dem er überhaupt irgendeinen Instrument um die Ex-Partner in Unterdruck zu setzen.

00:20:22: Um das Kind dann quasi auch von dieser Art Manipulation und man kann das vielleicht auch psychische Gewalt

00:20:29: nennen, zu

00:20:30: schützen.

00:20:31: Absolut.

00:20:32: Ja krass!

00:20:35: Also wir beobachten auch einen Einstieg was... Kindeswohlgefährdungen angeht.

00:20:41: Das Statistische Bundesamt hat für im Jahr ist eine neue Höchststand gemeldet, mit einem Anstieg von zehn Prozent im Vergleich zum Feuer und dieser Trend hält seit Jahren ein und ich würde dich gerne fragen was dahinter steckt?

00:20:56: Ich glaube da gibt es keine einfache Antwort.

00:20:59: Die Beantwort wird

00:21:01: also.

00:21:01: ich denke das ist schon relativ komplexes Thema Weil es einerseits drücken sich in diesen Bereichen auch die ganzen gesellschaftlichen Missstände aus.

00:21:15: Das heißt, alles was uns als Gesellschaft gerade im sozialen Bereich unter Druck setzt.

00:21:23: das wird einfach immer weiter runtergegeben.

00:21:27: Das bedeutet in Familien, die unter Druck stehen oder immer mehr Unterdruck stehen Auch das ist keine Überraschung, wird es auch zu mehr Kindeswohlgefährdungen kommen.

00:21:40: Damit möchte ich aber deutlich machen, dass es natürlich nicht nur in sozial benachteiligten Familien Kindeswohlgefährdingen gibt – und das hast du ja auch anfänglich gesagt – diese Sozialrechtsverschärfung Die sind staatliche Gewalt in unseren Strukturen derzeit.

00:22:03: Also die Menschen sind am Limit, ich erlebe das in meiner anwältlichen Praxis.

00:22:11: sie kämpfen ums Überleben und in diesen Überlebenskämpfen bleibt immer weniger Raum für Zugewandtheit, für Zärtlichkeit, für Fürsorge Nicht weil es keine fürsorglichen Menschen sind, sondern weil der Raum immer kleiner wird.

00:22:34: Das ist das Schmerzhafte daran nicht?

00:22:36: Also ich glaube dass die allermeisten Eltern übrigens die wollen das Beste für ihr Kind.

00:22:44: Klar!

00:22:45: Die wollen das größte Glück für ihr kind.

00:22:48: aber die Verhältnisse sind zu gewaltvoll dass sie einfach limitiert sind.

00:22:57: Also um den Kreis des Missbrauchs zu durchbrechen, braucht ein Mensch ja auch gewisse Ressourcen.

00:23:06: Ich glaube, ein Mensch braucht eine vertrauensvolle Umgebung und ein solidarisches Netzwerk – also einen miteinander mit anderen, weil das ja auch eine gewisse Reflexion Voraussetzt,

00:23:21: d.h.,

00:23:21: Menschen müssen überhaupt wahrnehmen und wissen, dass ihr Verhalten gewaltvoll ist, dass Ihr Verhalten problematisch ist Und dafür brauchen sie um das Wahrnehm zu können, brauchen Sie Menschen denen sie vertrauen damit die Ihnen das sagen können.

00:23:36: und wenn sie ihnen das sagen, dass sie dann auch daran glauben und Konsequenzen ziehen und ich glaube tatsächlich es gerade nicht sehr viel Raum dafür übrig bleibt weil, wie du gesagt hast, Menschen überwiegend am Limit sind.

00:23:54: Und wenn wir uns zum Beispiel anschauen, was im therapeutischen Bereich jetzt vorgegangen werden soll?

00:24:01: Also die Zukunft der Psychotherapie ist ja auch... tatsächlich in Gefahr, wie sie jetzt haben.

00:24:08: Und sie ist ja auch nicht perfekt.

00:24:10: Auch jetzt ist es so dass Kinder und Jugendliche teilweise Jahre auf Wartelisten stehen um überhaupt einen Therapieplatz zu bekommen.

00:24:21: Das ist natürlich irgendwie auch eine Kindeswohlgefährdung Es ist ne staatliche Kindeswohlgefährderung Richtig.

00:24:27: Ich möchte aber noch ein Punkt bringen der mir wichtig ist Weil wir gerade von Kindeswohlgefährdung sprechen, es mir schon auch noch mal wichtig zu sagen dass wir nochmal ein anderes Problem haben.

00:24:44: Gerade in der deutschen Gesellschaft und zwar ist auch meine Erfahrung das Kindeswohlgefärdungen in bestimmten Familien gesehen werden und besonders gern gesehen werden.

00:25:01: Und das sind beispielsweise sozial benachteiligte Personen wie Alleinerziehende oder wie gerade rassifizierte Personen, wo nochmal ganz anders hingeschaut wird.

00:25:16: Ich habe Fälle, wo ich wirklich da sitze und denke meine Güte was muss noch alles passieren bis ihr etwas tut?

00:25:24: Und dann gibt es Fälle in denen man sich fragt moment

00:25:28: Warum

00:25:29: genau?

00:25:29: ist es jetzt problematisch, dass das Kind erst um zehn ins Bett geht?

00:25:33: Was ist das für eine eurozentrische Sicht auf die Welt auch.

00:25:38: Also wirklich ich meine... Da wird es dann wirklich spannend.

00:25:44: da kann man sicherlich auch viel diskriminierende Strukturen wahrnehmen in den Jugendämtern an den Familiengerichten also da wirken wahnsinnig stark bestimmte Stereotypen.

00:25:58: Das lässt sich nicht verneinen.

00:26:01: Ich mach mir da auch bei meinen Vorträgen nicht immer Freundinnen mit, aber es

00:26:05: tut weh wahrscheinlich.

00:26:08: Und gerade im sozialen Bereich tut das weh weil natürlich die Menschen nochmal so eine andere eigene Selbstverenehmung haben und ich wünsche ihnen das ja auch!

00:26:17: Aber es ist natürlich trotzdem müssen wir... müssen wir auch unsere eigenen internalisierten.

00:26:23: Und das geht auch für mich, ja?

00:26:25: Also ich erwische mich dabei, dass ich eventuell diskriminierte Perspektiven einnehme und man muss sich glaube ich – und das ist mein Wunsch dabei wenn ich das sage – es geht nicht um Verurteilen.

00:26:37: Es geht darum, sich immer wieder offen damit auseinanderzusetzen.

00:26:43: Wo ist da mein

00:26:47: weißer Fleck?

00:26:50: Ja, ich habe tatsächlich lange diesen äblästischen Ausdruck dafür genutzt und wurde dann irgendwann darauf aufmerksam gemacht.

00:26:58: Und hab auch noch mal recherchiert, welches Synonym schön ist.

00:27:02: Da fand ich weißer Fleck irgendwie ganz schön.

00:27:04: Das ist spannend!

00:27:09: Du hörst wahrscheinlich das es auch nochmal so eine andere Ebene hat?

00:27:12: Der weiße Fleck ist ja... Genau!

00:27:20: Genau.

00:27:21: Also das nochmal zur Kindeswohlgefährdung, es ist eben auch dieser Begriff und auch das Kindeswohl an sich ist ja ein unbestimmter Rechtsbegriff und wird immer wieder gefüllt von der Praxis der Jugendämter oder der Familiengerichte.

00:27:39: Und da muss man sagen, dass es natürlich dann auch immer darauf ankommt wer sitzt da eigentlich?

00:27:50: Und welche Unterschiede zwischen verschiedenen betroffenen Gruppen siehst du in der Praxis?

00:27:55: und wer ist aufgrund tatsächlicher oder zugeschriebener Merkmale, der Gewalt besonders ausgeliefert?

00:28:05: Natürlich haben wir nochmal deutlich prekärere Verhältnisse wenn es um Menschen geht oder Frauen geht die beispielsweise offenteilsrechtliche Probleme haben.

00:28:20: Das heißt, geflüchtete Person oder Personen eben mit keinem sicheren Aufenthalt.

00:28:27: Die sind nochmal deutlich stärker in den Partnerschaften wenn sie denn den Aufenthall dann über die gemeinsame Ehe beispielsweise erlangen können.

00:28:40: Sind Sie noch mal viel mehr abhängig auch?

00:28:44: von der Partnerschaft nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch aus ganz konkreten aufenthaltsrechtlichen Gründe.

00:28:50: Weil wir immer noch die Regelung haben dass der eigenständige Aufenthalt also der unabhängigen Aufenthalte erst erlangt werden kann wenn die Betroffene drei Jahre zusammengelebt hat mit ihrem Ehepartner.

00:29:06: und jetzt stellt ihr vor in diesen drei Jahren Ehe erlebt sie vom Tag fünf, sechs, sieben oder nach sechs Monaten Gewalt.

00:29:16: Psychische Gewalt oder körperliche Gewalt?

00:29:19: Dann kann sie nicht so leicht sagen ich trenn mich mal... Ich flüchte mal ins Frauenhaus sondern Sie wird sich dann nochmal überlegen ob sie die Trennung wirklich vollzieht weil es eventuell sein könnte dass sie ihren Aufenthalt verliert

00:29:37: das sie dann das Land verlassen müsste dass

00:29:39: sie dann das Land verlassen müsste.

00:29:41: Es gibt Tärtefallregelungen, gerade auch bei häuslicher Gewalt kann man alles prüfen und beantragen aber es ist immer noch ein Risiko weil die Ausländerbehörde einen Ermessensspielraum hat.

00:29:53: und das bedeutet ganz konkret wenn diese Betroffenen in die Beratung kommen sage ich ihr du kannst dich trennen.

00:29:59: wir kämpfen darum dass deine Aufenthaltserlaubnis verlängert wird aber ich kann dir keine Quarantie geben Und in sehr vielen Fällen geht sie zurück in die Beziehung und ich weiß, Sie würden nicht noch mal anrufen bis die drei Jahre voll sind.

00:30:14: Und was bis dahin passiert, wissen wir nicht!

00:30:16: Wir setzen sie – also wer sich damit sagen will – diese deutsche Normen, diese aufenthaltsrechtliche Normen verleiht dem Partner eine ungeheure Macht über das Leben dieser Frau.

00:30:33: Dann gibt es Konstellationen, in denen beispielsweise Menschen im Asylverfahren sind und aufgrund bestimmter Residenzpflicht gar nicht das Bundesland beispielsweise verlassen können.

00:30:45: Das heißt wenn sie sich trennen und keinen Frauenhausplatz in der Nähe finden oder vielleicht die Gefahr auch so groß ist dass Sie gar nicht in der Nehe bleiben können dann haben wir manchmal Probleme sie überhaupt woanders unter zu bekommen.

00:30:59: aufgrund der Regelung immer Syrrecht

00:31:03: Wenn eine Person Asyl beantragt hat, mit einer Staatsangehörigkeit von einem Drittstaat oder vielleicht gar keine Staatsangeheurigkeit und dann nach Ankunft eine Person heiratet.

00:31:15: Mit einer deutschen Staatsbürgerschaft entfällt denn dieses Verfahren, das Asylverfahren gar nicht weil sie müsste doch eigentlich ein Aufenthaltsgenehmigung bekommen wenn die Personen... Genau!

00:31:26: Das sind die Konstellationen.

00:31:27: da würde man über also das Asyllverfahren nicht mehr weiter fortsetzen sondern quasi Aufenthaltserlaubnis beantragen über die gemeinsame Ehe, aber es gibt ja auch die Konstellation.

00:31:37: Dann kommen geflüchtete Paare gemeinsam nach Deutschland und da wird's dann mit der Trennung beispielsweise schwierig aufgrund der Residenzpflicht.

00:31:46: Aber es gibt auch nochmal generell das Problem bei Menschen, die vielleicht noch gar nicht so lange in Deutschland leben dass ihnen einfach auch ein soziales Netz fehlt, das ihnen die Angehörigen sind nicht

00:32:02: da.

00:32:03: Die Community ist nicht in der Form.

00:32:07: Das bedeutet wenn sie jetzt entweder einen neuen Partner hier kennenlernt oder mit ihrem alten Partner gekommen ist und sich dann trennt, dann ist sie häufig sehr alleine!

00:32:18: Und das ist meiner Ansicht nach fast die schwierigste... Situation, um sich aus gewaltvollen Beziehungen zu trennen.

00:32:30: Weil alle Betroffenen die ich frage was hat am Ende dafür gesorgt dass du dich für diesen Schritt entschieden hast?

00:32:39: Dass du endgültig gesagt hast?

00:32:41: Ich gehe jetzt!

00:32:42: Ich kann nicht mehr!

00:32:43: Ich halte das nicht mehr aus.

00:32:44: Die haben alle gesagt Sie haben immer alle einen Menschen genannt.

00:32:49: Das heißt, sie haben immer gesagt es war das Gespräch mit meiner Nachbarin, die hat mich bestärkt, mein Deutschlehrer hat mich gestärkt.

00:32:55: ,meine Arbeitskollege meine Freundinnen Es ist immer ein Mensch der mit ihnen zusammen da sitzt und sagt ich glaube dir du hast keine Schuld Ich bin für dich da.

00:33:12: Und wenn das soziale Netz Also je kleiner das ist, desto schwieriger wird es und desto schwerer wird auch diese Trennung.

00:33:20: Und desto eher kehren Betroffene wieder zurück.

00:33:25: Deswegen sind natürlich Frauenhäuser- und Frauenberatungsstellen so wahnsinnig wichtig weil die ja nicht nur eine Wohnung oder einen Raum zur Verfügung stellen sondern weil da Menschen die solidarisch sind, die sich mit den Frauen zusammensetzen.

00:33:40: Die sie beraten aber vor allem auch emotionalen Halt geben.

00:33:45: und das ist für bestimmte Personengruppen deutlich schwieriger.

00:33:51: Also eben migrantische Frauen, die noch nicht so lange in Deutschland sind oder die eben durch die Trennung eventuell auch ihrer Angehörigen verlieren also weil die Familie sagt ich will nichts mehr mit ihr zu tun haben beispielsweise.

00:34:05: Auch das ist ein Problem.

00:34:06: Also, das macht die Trennung für diese Personengruppe schwer.

00:34:10: Dann haben wir die Personengruppe der Behindertenfrauen, die auch wahnsinnig große Probleme in Deutschland hat überhaupt barrierefreien Wohnraum und barrierenfreie Frauenhausplätze zu finden.

00:34:22: Das ist ein ganz großes Problem.

00:34:24: Die können sich auch sehr, sehr schwer trennen.

00:34:26: Die haben dann häufig wirklich die Problematik dass eine räumliche Trennung fast gar nicht möglich ist weil es gar nicht den Raum gibt, wo sie sich irgendwie aufhalten könnten nach der Trennung.

00:34:40: Dann haben wir bei Transpersonen auch das Problem dass der Zugang viel schwieriger ist.

00:34:47: es gibt immer mehr aber immer noch viel zu wenig Frauenhausplätze oder Zufluchteinrichtungen für Transperson und da haben wir nochmal eine doppelte Diskriminierung auf einer anderen Ebene, dass ihnen noch weniger geglaubt wird Und dass sie ja auch im feministischen Diskurs permanenten Angriffen ausgesetzt sind.

00:35:13: Auch in Bezug auf die Glaubwürdigkeit tatsächlich, aber bist du denn überhaupt wirklich eine Frau zum Beispiel?

00:35:20: Dass das also insgesamt so ein Vertrauensproblem inszeniert wird und dafür ganz oft die eigenen Traumata instrumentalisiert werden – ich habe Gewalt erlebt durch einen Mann.

00:35:34: Also darf ich misstrauisch sein gegen meine Transfrau, so nach diesem Motto?

00:35:39: Ja genau und

00:35:40: ich kann mir schon sehr gut vorstellen dass dieses Infrage stellen der Glaubwürdigkeit oder Integrität eines anderen Menschen sich dann in anderen Bereichen wie zum Beispiel Gewalterfahrungen reproduzieren könnte.

00:35:53: also das dann nochmal sehr leicht ist sozusagen

00:35:58: absolut!

00:35:59: Also auch eine völlige Überforderung fast, finde ich.

00:36:06: Gerade bei Institutionen damit umzugehen mit Transpersonen ... Das ist jetzt vielleicht zu nett formuliert über Forderungen aber auch so eine Unwissenheit.

00:36:18: Auch so eine gewaltvolle Unwissensheit darüber.

00:36:23: Also ich möchte nur ein Beispiel bilden weil ich das vor kurzem hatte von einer Transperson die einen Kind entbunden hat und mit einem Mann zusammen war und dann nach der Geburt die Transition vorgenommen

00:36:41: hat.

00:36:42: Und dann fühlte sich der Ex-Partner vor den Kopf gestoßen, und hat wahnsinnig gewaltvoll auch darauf reagiert, hat das Kind immer dazu gezwungen weiterhin Mama zu dem Transmann zu sagen – und die haben sich getrennt!

00:37:02: Und dann sind sie zum Jugendamt.

00:37:05: Und jetzt wird's spannend, weil es ja heißt Kindeswohl und der Kontakt zu beiden Elternteilen ist immer kindeswolldienlich.

00:37:15: Dann hat das Jugendamt irgendwann gesagt die Konflikte dass es zu viel für das Kind nicht gut wäre es denn nicht gut wenn das Kind erstmal langfristig oder voll hauptsächlich beim Vater, nicht beim Transvater bei dem anderen Vater lebt.

00:37:35: Weil das ist ja für ihn die Normalität und es bedarf ja einer enormen Anpassungsleistung für das Kind – wir überfordern das Kind jetzt damit!

00:37:46: wenn es weiterhin zum Transvater müsste und hin und her wechseln müsste, weil da gibt's ja so viel Konflikte.

00:37:52: Und wie auch immer was deutlich wurde das Jugendamt selbst ist total überfordert, weil sie eigentlich überhaupt nicht mit der Situation umzugehen und hat tatsächlich in dieser Konstellation einfach Das Kind dem Transvator vor enthalten, weil das Nicht der Ja ein Anfangszeichen Normalität für das Jugendamt entsprochen hat.

00:38:16: Da frage ich mich, also okay sagen wir mal da ist eine Person im Jugendamt?

00:38:21: Ist es für diesen Fall zuständig und diese Person kennt sich nicht aus und fühlt sich überfordert.

00:38:29: Es gibt ja zivilgesellschaftliche Organisationen die zu diesem Thema aufklären und Arbeit leisten.

00:38:36: Warum wird da keine solche Organisation und ihre Ressourcen herangezogen?

00:38:42: Ach, das ist eine gute Frage.

00:38:46: Es ist natürlich einerseits so dass die Jugendämter ohne jetzt die einzelnen Mitarbeitenden in Schutz nehmen zu wollen aber auch die Jugend Ämter sind ja als Teil der Kinder und Jugendhilfe chronisch unterfinanziert.

00:39:01: Das heißt sie leiden unter Personalflugtuation enorm.

00:39:08: Ja also das heißt das Personal bleibt höchstens ein Jahr.

00:39:11: es merkt, das lohnt sich überhaupt nicht.

00:39:14: Wir werden für die Verantwortung, die wir hier tragen und für die Arbeit, die machen müssen, werden viel zu schlecht bezahlt.

00:39:21: Und dieser Druck ist enorm!

00:39:24: Das stapeln sich die Akten jeder Akte ein Kinderschicksal.

00:39:29: Ja?

00:39:29: Das sind ja nicht nur Akten, sondern Menschenleben, die da drin verhandelt werden.

00:39:35: Es ist eine politische Entscheidung in diesem Kinder- und Jugendhilfebereich immer weniger Geld reinzustecken, der ist nicht erst seit ein zwei Jahren unterfinanziert.

00:39:47: Der ist chronisch unterfinanziert und da soll immer weiter gekürzt werden.

00:39:51: Und das macht mich zu wütend weil dass sich auf so vielen Ebenen niederschlägt und Ausdruck findet und zum Beispiel eben an diesem Punkt in diesem Fall weil da die Jugendamt mitarbeitende Person sehr wahrscheinlich sich dachte, ich habe überhaupt gar keine Zeit dafür jemanden zu kontaktieren.

00:40:12: Ich hab eigentlich auch überhaupt keine Zeit da für mich in diesen Fall einzuarbeiten.

00:40:16: Ich mach das jetzt mal möglichst schnell!

00:40:19: Also das ist für den Jugendamt Mitarbeitenden die vorteilhafte Interpretation davon.

00:40:24: und dann gibt es natürlich auch wie in jeder Institution Jugendammitarbeitende, die vielfältig diskriminierend sind, die überall weiße Flecken haben, auch gar keine Lust haben sich damit auseinanderzusetzen ignorant sind.

00:40:40: Das ist eben sicherlich auch nur eine, ja wie die gesamte Gesellschaft findet da eben auch Diskriminierung statt?

00:40:50: Ja das heißt dass es ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren.

00:40:54: Auch in dem Fall du hast vorhin gesagt ein gewaltvolles Unwissen glaube ich so was ähnliches hast Du gesagt.

00:41:01: Und dann die Tatsache, dass diese Einrichtungen eben chronisch unterfinanziert sind und sich die Menschen, die dort arbeiten das nicht leisten könnten selbst wenn sie ein Interesse daran hätten.

00:41:13: Sondern dass es halt darum geht schnellstmöglich abzuhaken wegzuarbeiten sozusagen.

00:41:26: Welche feministischen Besonderheiten gibt es in romantischen Beziehungen?

00:41:31: Wenn Partner in den unterschiedlichen Rechten und Freiheiten haben.

00:41:35: Inwiefern sind wir ihnen liebegespalten, wenn man es so sagen will?

00:41:40: Ach die Liebe!

00:41:45: Das ist auch ein Thema... Ich bin ja tatsächlich wirklich hoffnungslos oder hofftungsvoll romantisch trotz dieser schrecklichen Themen mit denen ich mich auseinandersetze.

00:41:58: Vielleicht ist das auch naiv.

00:42:02: Ich glaube wirklich an die sehr heilsame Kraft der Liebe.

00:42:07: Ich glaube nur, dass wir Liebe eben an sehr vielen verschiedenen Stellen suchen sollten und nicht nur im romantischen Bereich.

00:42:19: Das bedeutet ich erlebe Mandantinnen nach ihren Trennung und das was sie letztendlich geheilt hat waren keine Strafverfahren, es waren keine Gerichtsurteile.

00:42:36: Also die für sie günstig waren mal nicht ne?

00:42:38: Es waren keine... mal Scheidungsprozesse in dem Sinne sondern das war häufig die Liebe von Menschen sei es eine neue heilsame Partnerschaft oder enge Freundin die sie durch diese schweren Jahre getragen haben oder Familienangehörige, oder eben auch eine Community-Nachbarinnen.

00:43:05: Auch häufig Menschen die für sie da waren, die für Sie präsent waren.

00:43:10: Manchmal waren es auch Tiere ja neue Haustiere, die sie aufgenommen haben.

00:43:16: ich glaube Wir müssen ein bisschen den Fokus vielleicht rausnehmen aus der romantischen Beziehung.

00:43:23: Auch wenn ich glaube, dass auch die wirklich besonders heilsam ist gerade weil man ja im romantischem Kontext so verletzt wurde und das Überschreiben davon ist so heilsamm und so schön.

00:43:38: aber Ich glaube trotzdem, dass es wichtig ist auch in all diesen anderen Bereichen sich ein gutes fürsorgliches liebendes Netz zu schaffen.

00:43:51: Und ich glaube auch das es Männer gibt die lieben können und ich meine damit ... Die fürsorglich sein können!

00:44:02: Du lachst ja?

00:44:06: Ja, du weißt ja was ich meine.

00:44:09: Ich

00:44:09: weiß gerne genau, was du meinst und deshalb lache ich weil selbstverständlich können die das und dass wir überhaupt drüber sprechen müssen fühlt sich so absurd an aber es ist halt scheinbar notwendig.

00:44:25: Aber die halt eben ja sich auch immer wieder mit ihren problematischen Anteilen von Männlichkeit auseinandersetzen und zwar diese Anteile

00:44:35: die

00:44:37: ihren eigenen Zugang zur Liebe verhindern.

00:44:41: Also, das ist ... Die Verhindern, dass sie fürsorglich sind und sich selbst gegenüber auch empathisch sind.

00:44:48: Ich glaube ja, dass Empathie sowieso häufig ... Ja eigentlich der Schlüssel ist meiner Ansicht nach oder ein Schlüssel es zusätzlich noch zu diesen ganzen strukturellen Themen, die wir natürlich haben und die wir abschaffen müssen.

00:45:01: aber ich glaube wirklich also wenn nicht so Ex-Partner der Frauensee, die ich vertreten habe hat es sehr häufig daran gescheitert dass sie nicht in der Lage dazu waren ein Perspektivwechsel hinzubekommen Empathie oder Mitgefühl wirklich für die Partnerinnen empfinden zu können und das hatte etwas eben mit den Geschlechterrollen.

00:45:28: Mit der männlichen Sozialisierung auch zu tun – mit dieser Härte Mit diesem, ja Eva von Redeker beschreibt es schon mit diesen Drang zur Härte auch.

00:45:40: Den wir auch nochmal auf einer gesellschaftlichen Ebene sehen wenn wir irgendwie auch sehen wie gerade Militarisierung so verherrlicht wird Wie diese Bilder auch von der Bundeswehr an den Litfer-Säulen mit zu einer Selbstverständlichkeit hängen wo man sich wirklich fragt meine Güte Was macht es mit einer Generation von jungen Männern, die an diesen Bildern vorbeigehen und verunsichert werden?

00:46:09: Und denken, ah!

00:46:10: Das ist also das Ideal von Männlichkeit.

00:46:16: Und das zeigt sich natürlich dann auch in Partnerschaften, in Beziehung zu Kindern auch.

00:46:27: Gerade eben, als wir über die aufenthaltsrechtlichen Probleme gesprochen haben gesagt, dass eine Trennung nicht zwangsläufig den Verlust des Aufenthalte-Rechtes bedeuten muss.

00:46:39: Weil es auch Härtefallreglungen gibt.

00:46:43: und dann hast du gesagt wenn es um Gewalt geht kann man alles prüfen.

00:46:48: Und ich habe in deinem Buch eine Passage gelesen, den Fall einer Mandantin, deren Verfahren trotz dokumentierter Verletzungen

00:47:03: wegen

00:47:04: Zitat Aussage gegen Aussage eingestellt wurde.

00:47:09: Wie kann man diesen Umgang mit einem Körper erklären der verletzt und also zum Zielscheibe von Gewalt gemacht wurde dass es sich um eine Aussage dabei handeln soll?

00:47:26: obwohl das dokumentiert war.

00:47:29: Ich glaube, da zeigt sich einfach nochmal sehr deutlich welche Körper zählen und welche weniger wert sind.

00:47:45: Und ich glaube es zeigt sich aber auch eine gewisse Normalität der Gewalt die wir akzeptieren gesellschaftlich.

00:47:57: Das heißt Ich gehe davon aus, dass in dem Fall beispielsweise im Hinterkopf vielleicht nicht bewusst aber unbewusst auch immer so dieses Narrativ oder dieser Gedanke mitschwingt.

00:48:10: Na

00:48:10: ja gut

00:48:11: das passiert ja so häufig.

00:48:13: Das ist halt eben ein Typ der hat mal wieder zugeschlagen.

00:48:21: Da ist eine Normalität diese alltägliche Gewalt

00:48:26: die

00:48:27: wir wie so

00:48:29: ein

00:48:30: ungeschriebenes Naturgesetz akzeptieren und normalisieren auch immer mehr gesellschaftlich, auch wenn es jedes Jahr einmal einen kurzen Aufschrei gibt.

00:48:43: Wenn die Zahlen wieder präsentiert werden und das gibt es natürlich auch aber dass ist eben einmal im jahr und im restlichen Jahr wird dann quasi alles gestrichen und gekürzt was diese Gewalt verhindern könnte Und das ist natürlich auch Teil der Normalisierung.

00:49:00: Ich glaube, dass sich das dann auf allen Ebenen zeigt und wir sind keine gleichgestellte Gesellschaft.

00:49:13: Das ist ein großes Missverständnis!

00:49:19: Das

00:49:20: glaube ich auch tatsächlich.

00:49:21: Es

00:49:21: gibt ja auch zum Glück Daten, die das belegen, dass wir nicht gleichgestellt sind und dann können wir auch daran arbeiten.

00:49:29: Ich möchte aber noch ganz kurz bei dem Thema bleiben nämlich du hast gesagt da ist so eine Normalisierung weil es ja auch so alltäglich ist.

00:49:36: Da hat jetzt einfach schon wieder ein Typ drauf geschlagen also diese Banalität im Umgang tatsächlich Wenn wir uns aber die Zahlen angucken, es ist hier tatsächlich sehr alltäglich.

00:49:50: Also alleine, im Jahr zwanzig wurden in Deutschland insgesamt dreihundert acht Mädchen und Frauen getötet.

00:49:59: Und hier versteht man als Femizid in weiten Teilen die sogenannten Partnerschaftstötungen.

00:50:08: Ich verstehe Femizi da aber ein bisschen anders.

00:50:11: Ich finde, dass jede Tötung einer Frau beziehungsweise eines Mädchens ein Femizid ist unabhängig von der Natur der Beziehung zwischen Opfer und Täter.

00:50:23: Ich find es wichtig das wir eine Sonderkategorie für alle Tötungsdelikte gegen Frauen und Mädchen haben weil die Hemmschwelle wenn es um Gewalt gegen Frauen oder Mädchen geht insgesamt tiefer hängt als Gewaltgegen Männer.

00:50:37: zum Beispiel gibt es natürlich auch Diskussionsbedarf, welche Männer.

00:50:42: Aber wenn wir so die Normmänner annehmen, dann ist die Hemmschwette definitiv tiefer und wenn Männerfrauen töten, dann sucht die Gesellschaft ja auch ganz oft die Erklärung an falscher Stelle nämlich bei dem Opfer.

00:50:57: Und

00:50:58: da würde ich noch ganz kurz ergänzen weil ich die Fokussierung auf Partnerschaften in Bezug auf Chemizide für schädlich halte und fest überzeugt bin, dass wir da den Blick erweitern müssen.

00:51:10: Stellen Sie uns zum Beispiel einen Einbruch vor – also eine Straftat ohne sich zu töten zuerst einmal?

00:51:17: Und es ist ja so das Einbrecherinnen ihrer Tatort- und Opfer sehr oft im Vorfeld beobachten!

00:51:24: Sie meist planen sie, den Einbruch sorgfältig um das Risiko erwischt zu werden so klein wie möglich zu halten.

00:51:31: Wenn sie sich also als Opfer beispielsweise eine alleinstehende Frau aussuchen dann legt es daran dass sie in ihren Augen leichte Beute ist.

00:51:42: So sorgfältig wie diese Straftaten auch geplant werden, kommt es manchmal zu Fehlern.

00:51:47: Das heißt die Frau könnte im Augenblick des Einbruchs Zuhause sein Es könnte zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommen.

00:51:55: Letztes Jahr müsste eine alte Schulfreundin von mir genau dieser Erfahrung machen zum Beispiel.

00:52:00: und wenn es dann dabei zu einer Tötung dieser Frau kommt was bei meiner Freundin zum Glück nicht der Fall war aber es hätte auch sein können Dann wäre das auch ein Femizid, weil bei der Frau eingebrochen wurde aus dem Grund dass sie eine Frau ist und ohne dieser Einbruch wäre es auch nicht zu einer Tültung gekommen.

00:52:23: Und du hast jetzt gesagt einmal im Jahr gibt es einen Aufschrei.

00:52:26: Dreihundert acht getötete Mädchen und Frauen alleine zwei tausend vierundzwanzig Das ist nur unfassbar hohe Zahl!

00:52:33: Und einmal im jahr aufschrei.

00:52:34: ganz kurz Ja, das reicht halt nicht wenn wir uns vorstellen welche Reaktionen diese Zahl bei einer anderen Gruppe auslösen würde, zum Beispiel bei Polizeibeamtinnen.

00:52:47: Und ich habe mir angeguckt wie viele Polizeibeamte im selben Zeitraum im Dienst getötet wurden?

00:52:54: Die Zahl ist eins und jeder Fall ist einer zu viel.

00:52:59: also hier geht es gar nicht darum verschiedene Gruppen gegeneinander auszuspielen sondern es geht darum die Reaktion zu vergleichen.

00:53:07: wenn innerhalb eines Jahres.

00:53:14: Da kann ich mir die Grülse der Tragweite überhaupt nicht vorstellen.

00:53:19: Ich kann mir nicht vorstellen, wie flächendeckend die Diskussion im Nachgang wäre, wie schnell wir anfangen würden über Präventionsmaßnahmen nachzudenken.

00:53:30: Warum fehlt das bei schutzlosen Gruppen?

00:53:38: Wie ein Machtverhältnis in Leben, das ist glaube ich wirklich auch recht.

00:53:44: Auch wenn wir über Recht zum Beispiel sprechen als ich angefangen habe Jura zu studieren, habe ich angefang mit dem Gedanken Ich werde jetzt einen Job machen der die Welt gerechter macht.

00:54:01: Das dachte ich zumindest und irgendwann hab Bei dieser Arbeit verstanden, dass das Recht keine Frage der Gerechtigkeit ist.

00:54:13: Es ist eine Frage der Macht und Recht ist ein Herrschaftsinstrument.

00:54:21: Das muss man einfach so klar sagen.

00:54:24: Das heißt es soll auch alles so stabilisieren und aufrechterhalten was gerade so ist also diese Machtverhältnisse so stabilisieren und aufrechterhalten.

00:54:39: Das gilt auch für Institutionen.

00:54:45: Und ich denke, dass gerade mehrfach marginalisierte Personen wirklich am wenigsten Macht- und Einfluss haben – auch wenn es häufig ja anders so ist, ja auch so interessant – das wird sehr häufig in der Debatte anders dargestellt.

00:55:04: Sie werden ja häufig als sehr laut und sehr einflussreich.

00:55:10: Und auch so dargestellt, als könnten sie irgendwie im gesellschaftlichen Diskurs Leute känzeln oder wie auch immer.

00:55:17: das ist ja völlig absurd eigentlich wenn man sich wirklich die Machtverhältnisse anschaut.

00:55:23: am Ende Entscheidungen treffen.

00:55:26: Das sind eben nicht die mehrfach marginalisierten Personen und ich glaube, das müssen wir immer so ein bisschen auch im Hinterkopf behalten.

00:55:36: Ich glaube aber trotzdem um da mal ein bisschen so etwas hoffnungsvolleren Twists reinzubekommen, ich glaube schon dass die Stimmen marginalisierter Person in den letzten zwanzig dreißig Jahren deutlich einflussreicher geworden sind und deutlich lauter geworden sind, auch eine größere Rolle spielen.

00:55:58: Und ich glaube – das sage ich auch häufig wenn ich gefragt werde warum steigt eigentlich die Gewalt gegen Frauen?

00:56:04: Ich glaube sie steigt genau aus dem Grund weil es eine Reaktion ist darauf dass diese Stimmen eben lauter und einflüssreicher werden und dagegen geschlagen wird.

00:56:17: Und ich sehe das übrigens auch nicht nur im großen Kontext, jetzt wenn man sich zum Beispiel Mitufälle anschaut in denen eine Person irgendwie sagt Ich habe Gewalt erfahren oder eine Frau sagt von einem Comedian oder von einem großen Rockstar und dann das ganze Internet sich mobilisiert gegen sie.

00:56:37: Und hier ein Schützdom, da einen Schützer.

00:56:39: Dann wird sie muntut gemacht über Anwältin oder wie auch immer.

00:56:42: im Großen kann man es sehr schön beobachten, wie das passiert Aber man kann es auch im Kleinen sehen.

00:56:47: Und zwar ist ja häufig beginnt die Gewalt oder wird massiver in Partnerschaften, wenn die Betroffene emanzipatorische Schritte macht.

00:56:57: Das heißt, wenn sie zum Beispiel das erste Mal wieder sagt ich will eine Freundin treffen und mehr außerhalb der Beziehung machen.

00:57:05: Ich möchte eine Umschulung machen!

00:57:07: Ich möchte den Job wechseln und vielleicht ein bisschen mehr wieder arbeiten.

00:57:11: Kümmer dich bitte ums Kind.

00:57:12: Also solche Momente Das sind die Gefährlichen, die häufig zu Gewalt führen.

00:57:20: Und der Höhepunkt dieser Emanzipationen stellt ja die Trennung dann dar und da sehen wir es dann ganz deutlich auch in den Zahlen weil Die Trennungssituation der Hochrisikofaktor für Femizide ist.

00:57:32: also da finden die allermeisten Femicide statt In der Trenningssituation oder danach.

00:57:38: was ich damit sagen möchte.

00:57:40: die Stimmen werden lauter und einflussreicher Aber der Backlash wird natürlich dadurch auch noch mal gewaltvoller und stärker, aber das bedeutet nicht dass sich diese Bewegungen aufhalten lassen meiner Ansicht nach.

00:57:53: Also das möchte ich gar nicht denken.

00:57:54: Ich denke es würde also dieser emanzipatorischen Bewegung die werden auch weiterhin einflussreich bleiben unter Einflussreicherwerden.

00:58:04: Ich glaube man muss sich das auch leisten können.

00:58:07: Also die Hoffnungslosigkeit, nein nicht.

00:58:09: Man muss sich die Hoffnungslosigkeit leisten können und ich glaube viele sind gar nicht in der Lage.

00:58:20: Deinem Buch schreibst du... Ich möchte dich jetzt zitieren.

00:58:23: Die Reichssprechung in Deutschland übertrifft in ihrer Schärfe sogar noch die der USA.

00:58:29: Nicht das Supreme Court ist der Extremfall Das Bundesverfassungsgericht ist es Zitatende.

00:58:35: Und hier geht es um Schwangerschaftsabbrüche, versteht sich ein bisschen Kontext?

00:58:41: du beziehst dich also auf Paragraph twohundertachzehn im Strafgesetzbuch.

00:58:45: Schwangerschafter Brüche sind in Deutschland rechtswidrig bleiben unter Bedingungen straffrei und die sind Beratungspflicht drei Tage Wartezeit frisst bis zur zwölften Woche Eigenleistung der Kosten.

00:59:00: Dazu kommen Lücken in der medizinischen Ausbildung und eine Mangelversorgung bei den Beratungsstellen.

00:59:07: Das bedeutet, es gibt nicht genug Medizinerinnen die Abbrüche durchführen und Beratungstellen werden oft nicht ausreichend gefördert so dass es schwierig sein kann einen Beratungen zu bekommen obwohl dieser Termin verpflichtend ist und die Uhr zieht.

00:59:21: sozusagen Es kann zur Verspätung führen in einer Lage in da jeder Tag zählt.

00:59:27: Warum ist die Wahrnehmung in Deutschland bei diesem Thema so verzerrt?

00:59:31: Wie erklären wir uns diese Diskrepanz zwischen der harten Realität hierzulande und dem Blick auf andere Länder.

00:59:39: Das ist wirklich nicht nur ein Problem, weil der Thematik der Schwangerschaftsabbrüche – ich glaube, wir haben wirklich im Deutschland das Problem, dass sich in sehr vielen Bereichen dieser Gesellschaft für deutlich progressiver hält als sie es eigentlich.

00:59:57: Das ist wirklich ein Problem, weil das natürlich dazu führt dass nichts verändert wird.

01:00:03: Also das

01:00:05: steht im Weg.

01:00:06: Ja

01:00:06: es ist dann irgendwie dieser Glaube daran.

01:00:08: wir sind doch schon soweit Wir sind doch gleichberechtigt alles ist doch schön.

01:00:14: Das macht es bequem und leicht aber trotzdem leiden ja Personengruppen auch darunter nicht unbedingt alle Personengruppe.

01:00:22: Es ist natürlich immer leichter für den Zisman irgendwie Entscheidungen über unsere Körper zu treffen, weil es betrifft ja nicht seinen Körper.

01:00:32: Aber natürlich zwingen diese Regelung die wir derzeit haben in bestimmten Konstellationen Frauen dazu Schwangerschaften auszutragen und deswegen macht das mich auch wütend wenn dann immer wieder zur USA gezeigt wird, ohne sagen zu wollen dass der Zugang genauso schwer ist.

01:01:00: Es ist natürlich nicht... Also es ist das in den USA jetzt eine einzelnen Bundesstaaten überhaupt gar nicht mehr Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden können.

01:01:09: Das ist noch mal was ganz anderes.

01:01:11: Das sehe ich auch völlig klar.

01:01:13: darüber müssen wir nicht diskutieren.

01:01:15: aber zu behaupten Man müsste hier nur ein bisschen Geld in die Hand nehmen und dann nur ein paar Beratungstermine durchführen.

01:01:24: Und abtreiben ist doch alles easy, das ist eben quatsch weil es in bestimmten gerade partnerschaftlichen Konstellationen gar nicht so einfach ist sich mal beraten zu lassen.

01:01:38: vielleicht leben Menschen in missbräuchlichen Beziehungen wo sie gar raus dürfen, wo sie gar nicht ohne permanente Kontrolle Beratungstermine wahrnehmen können.

01:01:49: Wo Sie überhaupt keinen Zugang zum Konto haben, gar kein Geld haben können weil der Partner monatlich ein bestimmtes Taschengeld zahlt und die Betroffene gar keinen Zugangs zu einem eigenen Konto hat.

01:02:02: also was ich damit sagen möchte auch hier führen diese Regelungen dazu dass es keine Selbstbestimmung gibt für Frauen die Schwangerschaftsabbrüche durchführen wollen.

01:02:18: Und ich muss das wirklich mit dieser Deutlichkeit sagen, der UN-Frauenrechtsausschuss hat die Kriminalisierung von Schwangersschaftsabbrechen als geschlechtsspezifische Gewalt eingestuft.

01:02:33: Auch das ist etwas was man eigentlich jeden Tag diesem Land oder dieser Gesellschaft sagen müsste.

01:02:41: jeden Tag durch diese Regelung geschlechtsspezifische Gewalt staatlich ausgebühren.

01:02:49: Und dafür, dass das so ist finde ich es der Aufschrei wirklich viel zu geringen.

01:02:57: aber das denke ich sowieso bei sehr vielen dieser Themen um Geschlechts- spezifischen Gewalt geht.

01:03:06: Ich finde wir sehen da wirklich welche Körper objektiviert werden und welche Körper auch wirklich als Subjekte gelten.

01:03:18: Also objektivert in dem Sinne, dass sie dafür da sind eine Schwangerschaft auszutragen.

01:03:25: Genau!

01:03:25: Eine Funktion zu erfüllen, eine Aufgabe sozusagen zu Gegenständen degradiert.

01:03:34: Du vorderst in deinem Buch mehr Investitionen in Prävention?

01:03:39: Und sprich es von einem Staat, der sich kümmert statt Menschen zu kontrollieren.

01:03:44: und vorderst bessere Gesundheits- und Wohnraumversorgung.

01:03:48: Wie genau sieht diese Welt für dich aus?

01:03:51: Ja,

01:03:52: mir wird dann häufig vorgeworfen das sei alles utopisch.

01:03:56: Gesundheitsversorgungen!

01:04:01: Wie klein unsere Ansprüche sein können manchmal, dass wir nicht geschlagen und getötet werden nach Utopien.

01:04:09: Diese romantischen Utopie wie realitätsfern.

01:04:14: Ich denke dann immer ja.

01:04:15: aber wie kann es sein das ein gewaltfreies Leben utopisch sein soll?

01:04:19: Also es ist natürlich also völlig klar ein gewaldreies Leben ist ein Menschenrecht ein Recht darauf und müssen auch eins haben.

01:04:31: Und es ist meiner Ansicht nach, also ich stelle mir eine Welt vor in der Menschenleben wirklich gelebt werden.

01:04:46: Das heißt wirklich ein Leben was lebenswert ist.

01:04:51: Ein Körper der Fürsorge erfährt Liebe erfährt, der gestreichelt wird.

01:04:59: Der Solidarität erfährt.

01:05:01: Der Zärtlichkeit und Zuneigung erfährt und nicht Ausbeutung in den unterschiedlichsten Formen.

01:05:10: Und ich möchte das auch nicht nur für Frauen oder Flinterperson.

01:05:16: Ich denke wir reden von einer Welt die zärtlicher und freier und fürsorglicher ist für alle!

01:05:27: die Teil dieser Gesellschaft sind.

01:05:30: Und ich bin mir natürlich auch darüber im Klaren, dass wir das in unserer derzeitigen Wirtschaftsordnung und mit den derzeitigem Machtverhältnissen so wie ich es möchte nicht umsetzen können.

01:05:46: aber wir können uns zumindest auf den Weg machen und das tun wir ja auch dass auch immer besser in Kollektiven, in solidarischen Gemeinschaften und einer Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Akteurinnen dieser Gesellschaft – der Zivilgesellschaft.

01:06:11: Aber auch im Kleinen, mit Freunden, mit Bekannten, mit unserem sozialen Nahbereich.

01:06:17: Und ich bin da hoffnungsvoll.

01:06:21: Ich denke, da ist schon in den letzten dreißigfünfzig Jahren sehr viel auch erreicht worden.

01:06:27: Vieles sicherlich auch was man nicht für möglich gehalten hätte und ich glaube so müssen wir weitermachen.

01:06:39: Dieser Podcast heißt Antikörper Und hier geht es nicht nur um Körperlichkeiten und strukturelle Gewalt sondern auch um die Frage wie wir Antikörper bilden.

01:06:50: Daher möchte ich dich fragen, liebe Ascha.

01:06:53: Wie bilden wir Eisgesellschaft wirksame Antikörper gegen diese Zustände?

01:06:59: Ja, ich glaube ein Teil davon habe ich wahrscheinlich schon mit der letzten Frage beantwortet.

01:07:04: Ich glaube

01:07:05: über Zusammenkommen, über zusammen ins Gespräch kommen, über Solidarität auch im Kleinen... Darüber, wie ich mich auch ganz konkret jetzt meiner Nachbarin beispielsweise ging über Verhalte.

01:07:22: Frage ich Sie?

01:07:23: Wenn ich das Gefühl habe da ist irgendwas nicht so ganz richtig.

01:07:27: Da stimmt irgendetwas nicht vielleicht in der Partnerschaft.

01:07:30: Ist mir da irgendwas aufgefallen?

01:07:31: Frage ich sie?

01:07:32: Gehe ich auf sie ein?

01:07:33: Komme ich ins Gespräch sehe ich sie.

01:07:36: Ich glaube dass sehen und hören voneinander, dass wir immer offen bleiben.

01:07:42: Dass wir kollektiv arbeiten, dass sie solidarisch bleiben, das wir immer wieder auch die Normalität, die vermeintliche Normalität in Frage stellen.

01:07:53: Das wir diese Machtverhältnisse infrage stellen weil manchmal ist es ja auch so perfide eine macht präsentiert sich immer so schön als gegeben und normal, als wäre sie unveränderbar.

01:08:11: Aber ich glaube dass wir diese Normalität sehr gut und sehr schön dekonstruieren können und werden.

01:08:23: Vielen Dank für dieses unglaublich bereichernde Gespräch, liebe Asche Hedayati!

01:08:29: Ich habe mich so gefreut die erste Folge mit dir aufnehmen zu dürfen.

01:08:33: Das war wirklich toll und den Link zu deinem Buch, Die Stille Gewalt sowie alle in dieser Folge erwähnten Ressourcen werden wir in die Shownotes schreiben.

01:08:44: Also da könnt ihr die finden, liebe Leute!

01:08:46: Vielen Dank, liebe Cybê.

01:08:50: Schön...

01:08:56: Das war die erste Folge von Antikörper dem Podcast über Körper- und Politik.

01:09:01: mit meiner Gästin Asha Hedayati sprach ich über Körper und strukturelle Gewalt.

01:09:06: Redaktion und Moderation Siebel Schick, Produktion Laura Vorsatz, Musik Arne Bänse.

01:09:12: Folgt uns gerne um keine Folge zu verpassen!

01:09:15: In der nächsten Episode spreche ich mit der Schriftstellerin Sharon Daudour O'Too über Mutterschaft in einer Gesellschaft die von Rassismus geprägt ist.

01:09:23: Bis dahin pass auf euch und eure Liebsten auf, mach's gut und bis zum nächsten Mal.

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